Kapitel 9 - Zwischen den Welten

 Als ich nach Frankfurt zurückkehrte, empfing mich die vertraute Stadt im Licht des Abends.

Der Main spiegelte den Himmel. Die Türme standen dunkel vor dem letzten Gold der untergehenden Sonne. Autos fuhren über die Brücken, Menschen gingen ihren gewohnten Wegen nach, und hinter unzähligen Fenstern begann ein ganz normaler Abend.

Auch mein Alltag wartete auf mich.

Die Forschung.

Die Arbeit meines Teams.

Berichte, Entscheidungen und neue Aufgaben.

Ich nahm diesen Alltag dankbar an. Die Begegnung mit dem Grimoire hatte mich nicht aus meinem Leben fortgeführt. Sie hatte mir gezeigt, dass die sichtbare und die verborgene Wirklichkeit nebeneinander bestehen konnten.

Auf meinem Schreibtisch lag das Notizbuch, in das ich nach meiner ersten Reise geschrieben hatte.

Daneben lag der Umhang.

Ich strich über den dunklen Stoff. Nun wusste ich, wem er einst gehört hatte und weshalb er seinen Weg zu mir gefunden hatte.



In dieser Nacht träumte ich vom Moor.

Aileas stand am Rand eines stillen Wassers. Sie trug keinen Umhang mehr. Ihr Haar bewegte sich im Wind, und ihr Gesicht wirkte friedlich.

„Bist du nun frei?“, fragte ich.

Sie lächelte.

„Ich war immer frei. Ihr musstet nur aufhören, mich für schuldig zu halten.“

„Wirst du wiederkommen?“

Aileas blickte zum Nebel.

„Ich bin nicht fort.“

Als ich erwachte, lag der Duft von Heidekraut im Zimmer.

Auf dem Fensterbrett lag ein einzelner kleiner Zweig. Ich wusste nicht, wie er dorthin gekommen war.

Vorsichtig hob ich ihn auf und legte ihn zwischen die Seiten meines Notizbuches.

Darunter schrieb ich:

Aileas nam Mòinteach – die Heilerin, die aus dem Nebel zurückkehrte.



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